Mundgesundheit bei Demenz – wie Angehörige helfen können

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Demenzerkrankungen stellen aufgrund der steigenden Erkrankungszahlen eine der grössten gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft dar. Um die Mundgesundheit und Kaufähigkeit der Betroffenen zu sichern, ist es daher wichtig, dass auch aus zahnmedizinischer Sicht fundierte Kenntnisse über das Krankheitsbild vorliegen.

Die Mundgesundheit hat einen grossen Einfluss auf den ganzen Menschen. Eine schlechte Mundgesundheit kann andere Krankheiten nach sich ziehen, Entzündungen und Schmerzen verursachen und somit das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen. Unter dem Begriff Mundgesundheit werden unter anderem die Anzahl der Zähne mit Karies, Plaque, Zahnstein oder der Sanierungsgrad der Zähne zusammengefasst.

Selbstständige Mundpflege funktioniert nicht mehr

Im Alter und insbesondere bei Demenz funktioniert die selbstständige Mundpflege oft nicht mehr ausreichend. Schlechte Mundhygiene hat Auswirkungen auf den ganzen Körper. Am Mund hängt der ganze Mensch. Eine schlechte Mundhygiene spiegelt sich oft in einem schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand wider. Haben ältere oder pflegebedürftige Menschen heute noch viele eigene Zähne, können bei schlechter Mundhygiene über kariöse Zähne oder Zahnfleischtaschen Bakterien in die Blutbahn gelangen und von dort den gesamten Organismus erreichen. Diabetes, koronare Herzkrankheiten, Gebrechlichkeit, Rheuma, Adipositas und kognitive Defizite können die Folge mangelnder Zahnpflege sein.

Weniger Zahnarztbesuche und Dentalhygiene

Menschen mit Demenz putzen ihre Zähne weniger regelmässig als früher. Auch Zwischenmahlzeiten ohne anschliessende Mundhygiene können sich negativ auf die Mundgesundheit auswirken. Zudem reduzieren Menschen mit Demenz häufig die Besuche beim Zahnarzt oder bei der Dentalhygienikerin, was sich wiederum negativ auf die Mundgesundheit auswirken kann.

Geringere Kaukraft und Kaueffizienz

Die Kaukraft bezeichnet die physiologisch maximal mögliche Kraft, mit der eine Person Nahrung zerkleinern kann. Sie wird gemessen, indem der Proband auf jeder Kieferseite mehrmals auf ein Messgerät beisst. Die Kaueffizienz bezeichnet die objektiv messbare Kauleistung, also den Zerkleinerungsgrad innerhalb einer bestimmten Zeit. Dazu geben die Forscherinnen und Forscher den Testpersonen einen zweifarbigen Kaugummi mit der Anweisung, diesen 20 Mal zu kauen. Anschliessend werten die Wissenschaftler aus, wie stark sich die beiden Farben vermischt haben.

Kautraining hilft

Mit fortschreitender Demenz nimmt die Kaueffizienz, also die Fähigkeit, mit einem Kauvorgang möglichst viel Nahrung zu zerkleinern oder zu mischen, ab. Gerade diese Kaueffizienz kann durch physiotherapeutisches Training verbessert werden. Ein entsprechendes Training hilft sowohl Menschen mit als auch ohne Demenz. Wird das Training jedoch nicht kontinuierlich durchgeführt, lässt der positive Effekt schnell nach.

Frühzeitige Kontaktaufnahme mit ZahnärztInnen

Forschende der Universität Zürich empfehlen in einer Studie, die zwischen Januar 2018 und November 2020 durchgeführt wurde, dass pflegende Angehörige ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung Kontakt mit einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt aufnehmen sollen. Dazu gehört auch, dass die Dentalhygiene jährlich häufiger in Anspruch genommen werden sollte, um Defizite in der Mund- und Prothesenhygiene zu minimieren.

Darauf sollten betreuende Angehörige achten

Wie gelingt die Nahrungsaufnahme: Funktionieren Essen, Trinken, Kauen und Schlucken problemlos oder gibt es Hinweise auf Beschwerden?
Wie sieht es in der Mundhöhle aus: Sind Lippen, Zähne, Zahnfleisch, Zunge und Rachenraum frei von Verletzungen? Gibt es Belag auf Zunge oder Zähnen, Verfärbungen, Auffälligkeiten
Wie werden die Zähne gepflegt: Wie oft am Tag werden die Zähne geputzt und wie gründlich? Werden die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zwischenraumzahnbürsten gepflegt?
Wie wird die Prothese gepflegt: Wann wurde das letzte Mal überprüft, ob die Prothese gut sitzt? Kann dieser Zahnersatz eigenständig herausgenommen und eingesetzt werden? Wird die Prothese zur Nacht rausgenommen? Wie wird die Prothese gereinigt?

Mobil tätige ZahnärztInnen sind wichtig

Eine gute Zusammenarbeit mit einem mobilen Zahnarzt ist wichtig, da schwer erkrankte Patienten die Zahnarztpraxis nicht mehr aufsuchen können oder keinen eigenen Zahnarzt haben. Eine regelmässige Kontrolle der oralen Situation durch eine Inspektion durch einen Zahnarzt ist anzustreben, um einschneidende und unangenehme Notfälle zu vermeiden.

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