Die Kunst der Motivation in der Dentalhygiene

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Learning by doing (not)

Eine mögliche Theorie der Erziehung Inside der Prophylaxe. Kolumne von DH Mafalda Philipp

Motivation Teil I

Der Mundspülbecken liegt Purpur rot vor uns. Kein Tropfen Wasser beseitigt die Tatsache, dass sich die Zahnfleischentzündung seit dem letzten DH-Termin vor 6Wochen nicht erholt hat. Ich habe die Wasserspüle bewusst nicht aktiviert, um dem Patienten das sehen zu lassen, was ich sehe und er seit geraumer Zeit verdrängt. Angeekelt über den Anblick seines eigenen Blutes hat er beim Ausspucken so weit ausgeholt, das jetzt Bluttropen auch die gegenüberliegende Wand zieren. Die muss ich nachher noch wegputzen realisiere ich, als mein Patient die Stille durchbricht: „Sind wir fertig?“ Fragt er. Worauf ich die Augenbrauen hochziehe. “ Aber nein, wir haben doch erst eben begonnen.“ Erwidere ich und gebe mein Bestes, meine Enttäuschung sachlich wiederzugeben.

Jetzt verschränkt mein Gegenüber seine Arme vor der Brust. Vieles lässt sich aus dieser Körperhaltung deuten. Ich vermute allerdings nicht, dass der Patient jetzt plötzlich kalt hat. Kann sein, dass er in eine Warteposition geht auf das, was jetzt kommt. Allerdings muss er wohl vielmehr ahnen, in welche Richtung die weitere Unterhaltung gehen wird und baut sich so eine Schutzwand auf zwischen seinem Tatort und seiner DH. In der Zwischenzeit lege ich mir Samthandschuhe an. Denn jetzt geht es um eine Unterhaltung, die im schlechtesten Fall mit einem Klagemail beim Chef landet. Kritikpunkte basieren oft auf Missverständnisse.  Aufbauende Kritik ist das Ziel der aufkommenden Strategie. Es geht um die gekonnte

Zeitgenössische Mundhygiene und Motivation in der DH-Sitzung.

Die DH hat eine autoritäre Stellung in Bezug auf den Inhalt der Mundhygiene und Motivation. Sie übernimmt die Führung der Sitzung und ist diesbezüglich dem Patienten übergeordnet. Sie vollbringt unter anderem eine zentrale Rolle bei der Überzeugungsarbeit und hat den Patienten auf seine Unterstützung hinzuweisen.

Was sich allerdings die meisten Patienten vorstellen, ist das sie hauptsächlich da ist, um ihre Zähne zu putzen. Auch dass sie Ungehorsam und den danach resultierenden Konsequenzen mit Schmerzen und Zahnfleischbluten bestraft. Wer bestehende Regeln bricht, tägliches Zähneputzen und Zahnzwischenraumreinigung wurden abgemacht, wird mit körperlicher Gewalt diszipliniert. „Autsch, das tut weh!“ ruft dann eben der nicht gehorchende Patient/in.

Formung der Gesamtpersönlichkeit bezüglich Mundgesundheit

Mit Stränge und Drill zu motivieren war früher.

Motivation statt Kritik neue Ansätze in der DH
Motivieren statt Kritisieren

Zeitgenössisch ist Leben und Lernen aufeinander bezogen. Das Bild des kompetenzorientierten Patienten mit individuellen Bedürfnissen und Zielen, der aus eigener Motivation bereit sein soll selbst aktiv für seine Mundhygiene zu sorgen, etabliert sich. Nicht selten in einer angemessenen Umgebung welche die DH zu erschaffen hat. Diese ist breit gefächert, von Stimmungsmacher bis hin zu Sonderwünschen wie Kissen und Zimmertemperatur oder auch psychologischer Beistand.

Man kann nicht kompetent sein, wenn man sich in einer Sache nicht auskennt

Nach erfolgter umfassender Mundhygieneinstruktion sollte der Patient in seiner eigenen Initiative agieren und sich so in seiner eigenen Persönlichkeit entwickeln können. Er soll Kompetenzen entwickeln, die ihn handlungsfähig machen, ganz frei von Zwängen.

Die DH sollte nicht mit abgehobenen Fachausdrücken motivieren, sondern sollte von realen gesellschaftlichen Problemen ausgehen, um so ein demokratisches Ambiente zu ermöglichen, in dem über die Erziehung Wertesysteme zu Gesundheit, Mundhygiene und nicht auch zuletzt Ästhetik weitergegeben werden.

Das Bedürfnis nach Wertesystemen und Wissen ist die Basis für Kompetenz

Um die Bedürfnisse des Patienten geht es. Nicht um seine Launen und Wünsche und dem damit verbundenen «nichts-machen-zu-müssen».

Es darf nicht sein, dass der Patient einfach machen kann, was er will oder eben nicht will. Sondern sein Handeln sollte sich freiwillig an den Zielen und Handeln seiner Mitmenschen orientieren, in diesem Fall seiner Dentalhygienikerin. Gemeinsame Interessen und deren ständige Wechselwirkung zwischen den Individuen ist eben ein dynamischer Prozess. Wie die Erziehung ist auch die Demokratie ein dynamischer Prozess in dem ständig neu umgestaltet wird. Es geht um Prozesse und nicht um Erhalt und Stillstand.

Ein Patient/in, der dieses Wertsystem noch nicht verinnerlicht und Kompetenzen erworben hat kommt mit ungeputzten Zähnen in die recall-Sitzung. Soll doch die DH putzen dafür bezahle er/sie diese ja auch …..

Davon ist die DH nicht angetan und auch nicht erfreut; ganz im Gegenteil. Damit verstösst der Patient wiederholt gegen Werte, die tief in ihrer Haltung verwurzelt sind. Die DH vermittelt, wie wichtig die Eigenverantwortung des Patienten ist um eine positive Entwicklung seiner Mundgesundheit zu fördern. Durch diese erzieherische Massnahme wird der Wert weitergegeben, die die Haltungstendenz des Patienten hoffentlich ändern.

Und wenn nicht?

Bei einigen Themen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Deshalb ist es umso wichtiger, das Ziel der Behandlung festzulegen. Und zwar gemeinsam durch die drei Parteien: Patient, Zahnarzt und Dentalhygienikerin.

Gegebenenfalls wandelt sich nämlich die Hälfte der DH-Sitzung bloss in schriftliches Sammeln von Fakten und Daten des schlechten dentalen und parodontalen Zustandes des Patienten. Es geht dann nur noch darum Beweise zu sammeln. Falls der Patient später meint «Was ich habe Zahnfleischprobleme? Das hat mir aber nie jemand gesagt!» Kann dies schriftlich widerlegt werden.

Diese Ideologie lehnt sich wesentlich an der Grund Philosophy von J.Dewey. Die Weitergabe von Erfahrungen war für Dewey das höchste menschliche Interesse.

Das Weitergeben von Erfahrung bedeutet den Fortbestand von Erfahrung und ermöglicht ein ständiges Weiterlernen.

Wie geht es euch beim Thema Patientenmotivation in der Prophylaxe? Wie gelingt es euch am besten Patienten und Patientinnen zu einer anhaltenden Compliance zu motivieren? Ist das wie oder das, was ich motiviere entscheidender? Ich würde mich über ein Feedback freuen, auch über den Privat Kanal.

Podcast Denthalhygiene Spezial

Kontakt Mafalda Philipp: Instagram

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