Wie schädlich können Zahnpasten sein?

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Zahnpasten sollen vor Karies schützen, den Zahnschmelz stärken, das Zahnfleisch pflegen und vieles mehr. Eine gute Zahnpasta sollte Fluorid enthalten, aber keine anderen Schadstoffe. Denn nach dem Putzen schluckt man zwangsläufig kleine Reste der Paste.

Um die Zähne von bakteriellen Belägen zu befreien, empfehlen ExpertInnen, zweimal täglich zu putzen – mindestens zwei bis drei Minuten lang. Doch nicht nur das Zähneputzen an sich und die Dauer sind entscheidend – auch die richtige Zahnpasta spielt eine Rolle, damit die Zahnpflege keine Schäden verursacht.

Welche Schadstoffe können in Zahnpasten enthalten sein?

Ein Labortest des Magazin Gesundheitstipp vom November 2023 zeigt, dass praktisch alle getesteten und in der Schweiz erhältlichen Zahnpasten die Schadstoffe Blei und Titandioxid enthalten. Der Gesundheitstipp hat dazu zwölf Zahnpasten in einem spezialisierten Labor untersuchen lassen, davon neun Naturprodukte und drei mit synthetischen Inhaltsstoffen. Das Labor untersuchte sie auf das Schwermetall Blei, auf Titandioxid und Arsen sowie auf Stoffe, die Allergien auslösen können. Im Test konnte nur die Zahnpasta «Complete Care» von Lavera glänzen (unbezahlte Erwähnung). Im Naturkosmetikprodukt hat es weder Titandioxid noch Blei. Es enthielt auch keine Stoffe, die Allergien auslösen können. Alle anderen Pasten enthielten mindestens einen der Schadstoffe, deshalb kann sie der Gesundheitstipp nicht ohne Vorbehalt empfehlen.

Blei vor allem in Naturkosmetik-Zahnpasten

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es keine sichere Aufnahmemenge für Blei. Eine wiederholte Aufnahme über einen längeren Zeitraum kann laut dem Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit die Nieren schädigen. Das Schwermetall Blei wurde übrigens vor allem in Naturkosmetik-Zahnpasten nachgewiesen. Das liegt daran, dass Halbmetalle und Schwermetalle über mineralische Rohstoffe wie Tonerde oder Aluminiumsilikat in die Produkte gelangen können.

Titandioxid ist nach wie vor erlaubt

Der Farbstoff Titandioxid macht Zahnpasta weiss. Forscher der Universität Zürich haben herausgefunden, dass kleinste Titandioxid-Partikel Entzündungsreaktionen im Darm verstärken. Der weisse Farbstoff ist ab 2022 in Lebensmitteln verboten. Damals stufte es die Efsa als «nicht mehr sicher» ein – es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Stoff genotoxisch wirkt. Der Zusatzstoff ist aber nach wie vor in Zahnpasten und Kosmetika zugelassen. Besonders bedenklich ist, dass Titandioxid auch in vielen Kinderzahnpasten nachgewiesen wurde.

Zahnpasten als Auslöser von Allergien

Tatsächlich gibt es viele Inhaltsstoffe, die Allergien auslösen können. Die meisten Zahnpasten enthalten Tenside wie Natriumlaurylsulfat. Auch diese Stoffe gelten als allergen und können lokale Reaktionen hervorrufen. Gleiches gilt für Triclosan, das antibakteriell wirkt und vor Zahnfleischentzündungen schützt. Der Fluoridlack Duraphat enthält Kolophonium, das ebenfalls Allergien auslösen kann. Weitere mögliche Allergieauslöser in Zahnpasten sind unter anderem Aluminium, Anethol, Benzoate, Zimtaldehyd, Zimtöl, Eugenol, Aromastoffe, Formaldehyd, Kräuter, Lorbeeröl, Menthol, Veilchenwurzel, Pfefferminze oder Pfefferminzöl. Typische Symptome einer Zahnpastaallergie sind kontaktallergische Reaktionen im Mund. Dazu gehören Juckreiz im Mund, Schwellungen, Rötungen, Brennen, Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit. Auch vermehrter Speichelfluss, Trockenheit oder schlechter Geschmack können auf eine Zahnpastaallergie hinweisen.

Drei Typen von Zahnpasten

Universal-Zahnpasten: 
Sie stellen die Standardversorgung für normale Zähne dar und versprechen in der Regel positive Effekte für Zähne und Zahnfleisch und vor allem Schutz vor Karies. Entscheidend ist nach Meinung der Experten der Wirkstoff Fluorid.
Sensitiv-Zahnpasten: 
Sie richten sich speziell an Menschen mit schmerzempfindlichen Zähnen. Die häufigste Ursache sind freiliegende Zahnhälse. Die Zahnpasta sollte daher mild sein und einen geringen bis sehr geringen Abrieb haben.
Weiss­macher-Zahnpasten: 
Das Mass für die abrasive Wirkung einer Whitening-Zahnpasta wird mittels RDA-Wert angegeben. Je höher dieser Wert ist, desto höher ist der «Schmirgeleffekt» der Zahnpasta. Dr. med. Felix Naef, Fachzahnarzt für Parodontologie in Zürich, rät bei Zahnfleischschwund Sensitivprodukte zu verwenden (z.B. bei Schallzahnbürsten den Sensitivkopf kaufen), keine abrasiven Zahnpasten zu benutzen (praktisch alle Whitening-Zahnpasten sind stark abrasiv). Zudem sei eine korrekte Zahnputztechnik anzuwenden und regelmässige Dentalhygiene durchzuführen.

Fluorid ist unabdingbar

Heute enthält jede Zahnpasta Fluorid. Aber auch viele andere Produkte enthalten Fluorid. Prof. Dr. Daniel Thoma, Spezialist für rekonstruktive Zahnmedizin am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich: «Der Durchbruch in der Mundgesundheit (kaum noch Karies bei Jugendlichen) der Schweizer Bevölkerung basiert auf Fluorid (in Trinkwasser, Salz, Zahnpasta, Mundspülungen usw.)». Auch Fluoridgel hat aufgrund seiner hohen Fluoridkonzentration eine nachhaltig positive Wirkung. So rät Prof. Dr. Nicola Zitzmann, Spezialistin für rekonstruktive Zahnmedizin am Universitätszentrum für Zahnmedizin in Basel: «Fluoridhaltige Mundspüllösungen können täglich angewendet werden. Hochkonzentrierte Gele in der Regel einmal pro Woche». Eine weitere Möglichkeit ist fluoridiertes Speisesalz. Beim Verzehr wird das Fluorid an den Zahnschmelz abgegeben. Unser Körper kann aber nicht beliebig viel Fluorid aufnehmen. Noch mehr Salz bringt also nichts.

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