Dentalassistentinnen sind ein unverzichtbarer Teil des Praxisteams. Dennoch werden sie oft zu wenig wahrgenommen. Oder dann ungewollt zu viel. Me too erreicht die Zahnarztpraxis. Denn, viele Dentalassistentinnen sind am Arbeitsplatz sexuellen Belästigungen ausgesetzt, dies zeigen erste Ergebnisse einer Umfrage an welcher die SVDA (Verband der Dentalassistentinnen) teilgenommen hat. Über das Berufsbild und den Alltag einer Dentalassistentin sprechen wir mit Tania Bezzola. Sie ist Dentalassistentin, arbeitet zu 60 Prozent in einer Zahnarztpraxis, ist seit 2015 im SVDA aktiv und seit 2023 dessen Präsidentin.
Frau Bezzola, schön hat es geklappt mit dem Interview. Wir reden heute über die Zukunft des Berufes der Dentalassistentin aber auch über gegenwärtige Herausforderungen. Doch zuerst ein Blick zurück. Weshalb haben Sie sich für den Beruf Dentalassistentin entschieden?
TB: Ich mochte die Abwechslung und ehrlich gesagt auch die Uniform. Das Auftreten einer Dentalassistentin hat mich fasziniert und ich dachte mir, das will ich auch machen. Der Austausch mit dem Zahnarzt und dem Patienten hat mir gefallen. Und die verschiedenen Bereiche, in denen eine Dentalassistentin arbeitet. Das ist bis heute so geblieben.
Zahnärztinnen und Dentalhygienikerinnen haben eine starke Stimme im Beruf. Sind Sie der Meinung, dass die Dentalassistentinnen genügend gehört und geschätzt werden?
TB: Die selbstbewussten DentalassistentInnen haben ebenso laute Stimmen (lacht). Aber nicht alle. Unser Beruf ist von einem Zahnarzt abhängig, das macht es etwas schwieriger. Eine Zahnärztin oder Dentalhygienikerin arbeitet selbständig und führt die Behandlungen durch. Dies tun wir nicht. Wir sind also abhängig, was uns vielleicht ein bisschen vergessen lässt. Wir werden geschätzt, das wissen wir. Denn ohne uns kann man nicht arbeiten. Wir sind aufeinander angewiesen. Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel, und das ist ein zufriedener Patient. Nur manche haben nicht das Selbstvertrauen, nach vorne zu gehen und für sich einzustehen. Hier versuche ich mit gutem Beispiel voranzugehen und unseren Mitgliedern Mut zu machen.
Sie erwähnen eine gewisse Abhängigkeit. Welche negativen Aspekte bringt das mit sich?
TB: Wir wünschen uns vermehrt einen Dialog auf Augenhöhe, das ist sicher noch nicht überall so, zum Teil gibt es noch oft ein hierarchisches Denken. Und dann sind Dentalassistentinnen leider häufig sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt. Derzeit laufen mehrere Umfragen, an denen wir uns beteiligen und die dies belegen. Die ersten Ergebnisse sind erschreckend.
Me too erreicht also die Zahnarztpraxis. Wie gehen Sie damit um?
TB: Ja es besteht Handlungsbedarf. Der SVDA wird hier definitiv aktiv werden!
Ein wichtiges Thema, vielen Dank dass Sie darauf hingewiesen haben! Für Betroffene von sexueller Belästigung verweisen wir an dieser Stelle auch auf die Website des Staatssekretariats für Wirtschaft, Seco, wo sich Anlaufstellen finden. Sexuelle Belästigung (admin.ch) Gehen wir nun zurück zum Praxisalltag. Was braucht es für einen erfolgreichen Workflow in der Zahnarztpraxis?
TB: Geregelte Abläufe, gute Kommunikation zwischen den Betreuern und dem Team sowie Vertrauen. Ein eingespieltes Team, so dass jeder weiss, was seine Aufgaben sind und diese auch ausführt. Wenn jeder weiss, wo seine Stärken liegen und dort gefördert und eingesetzt wird, ist man als Team unschlagbar und erfolgreich.
Zum Zahnarzt geht ja niemand gerne. Sind Patientinnen und Patienten im Allgemeinen nett im Umgang mit dem Praxispersonal?
TB: In den meisten Fällen ja. Wir verstehen, wenn Patienten Angst haben oder nicht gerne zu uns kommen, aber ein respektvoller Umgang ist ein Muss. Wir sind in der Lage, jeden Patienten so anzunehmen, wie er zu uns kommt. Egal in welcher Stimmung er ist. Das ist eine Fähigkeit, die nicht jeder hat. Das erfordert eine hohe soziale Kompetenz. Ich finde, das wertet unseren Beruf sehr auf und sollte nicht unterschätzt werden.

Projekte und Anliegen des SVDA
Derzeit laufen mehrere Umfragen, an denen wir uns beteiligen. Zum Beispiel zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz.
Die ersten Ergebnisse sind erschreckend und zeigen Handlungsbedarf auf!
Der SVDA wird hier definitiv aktiv werden!
Verschiedene interne Projekte sind am Laufen, stecken aber noch in den Kinderschuhen. Wir sind bestrebt, unseren Beruf aufzuwerten und stehen in engem Kontakt mit der SSO.
Denn unser Beruf ist alles andere als langweilig und einseitig. Und diese Anerkennung wollen wir erreichen.
Wie sieht die Aus- und Weiterbildung aus?
TB: Die Ausbildung einer Dentalassistentin dauert 3 Jahre und schliesst mit einem EFZ- Ausweis ab. Sie hat dann die Möglichkeit sich als Prophylaxeassistentin oder als Praxisadministratorin SSO weiterzubilden.
Kann die KI Teile ihrer Arbeit übernehmen?
TB: Nein. Das Zwischenmenschliche fehlt, das Einfühlvermögen, das würde den Patienten fehlen. Das kann eine KI „noch“ nicht.
Wie sieht ihr Beruf in 10 Jahren aus? Und hat es dann noch genügend Dentalassistentinnen?
TB: Wir haben bereits einen Fachkräftemangel und ich hoffe, dass wir das Ruder noch herumreissen können. Gemeinsam mit der SSO wird uns das sicher gelingen. Ich bin positiv gestimmt! Aber es muss ein Umdenken stattfinden und Veränderungen brauchen bekanntlich Zeit. Hoffentlich dauert dies aber nicht 10 Jahre!
Vielen lieben Dank für die Tipps und das Interview Frau Bezzola!
Me too: Erleben Sie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz? Sexuelle Belästigung (admin.ch)
Weitere Infos zum Beruf Dentalassistentin findet man hier: Die einzigartige Dentalassistentin – Swissdentalnews.com
