3D-Druck in der Zahnmedizin : Chancen und Risiken

Marion Gredig und Nicolas Bouduban reden über Metalldruck
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Wir diskutieren die Chancen und Herausforderungen des 3D-Drucks in der Zahnmedizin mit Nicolas Bouduban, CEO des Swiss m4m Center. Beleuchtet wird die Geschichte des 3D-Drucks, die Anwendung in der Dentalbranche und die Kosten für die Anschaffung von 3D-Druckern. Wir sprechen auch über die verschiedenen Anfertigungen, die für die dentale Branche möglich sind, und wie Aufträge bearbeitet werden. Schliesslich reden wir auch über die Qualitätssicherung und die Endbearbeitung der Produkte sowie die Pro’s und Contras des 3D-Drucks.

Sendung 3D-Druck in der Zahnmedizin

Transkript

3D-Druck in der Zahnmedizin : Chancen und Herausforderungen

Gredig: Herr Bouduban, herzlich willkommen in der Sendung. Sie sind spezialisiert auf den Metalldruck. Wie kommt man auf die Idee, Metall zu drucken und sich dafür zu begeistern?

Bouduban: 3D-Druck ist 1983 geboren. Zu einen ist es sehr attraktiv als Technologie, zum anderen folgen wir aber auch dem Trend der Digitalisierung, zu der auch der 3D-Druck gehört.

Gredig: Seit wann gibt es die Möglichkeit, Metall zu drucken?

Bouduban: Die Geschichte des Metalldrucks ist genau so alt wie der Kunststoff-Polymer-Druck, aber die Prozesse sind komplexer. Ernsthaft mit dieser Technologie arbeiten kann man seit gut 15 Jahren. Seit etwa 7 Jahren können wir qualitativ hochstehende Lösungen anbieten.

Gredig: Inwiefern drucken Sie aus Metall Bestandteile, die man in der Zahntechnik oder der Zahnmedizin anwenden kann?

Bouduban: Die Dentalbranche ist sehr weit in der Digitalisierung. Bei personalisierten Fertigungen wie Metallguss, Brücken oder forcierten Dehnungen werden unsere Lösungen immer mehr eingesetzt.

Gredig: Was muss ich als Laborinhaberin machen, damit ich eine VMK-Brücke mit 3D-Technik anfertigen kann?

Bouduban: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Entweder steigt man ein und schafft sich eine Infrastruktur an – das ist heute jedoch noch der am wenigste plausible Weg, weil die Anschaffungskosten noch relativ hoch sind. Oder man arbeitet mit spezialisierten Firmen, die solche Fertigungen anbieten, zusammen.

Gredig: Was die Anschaffung anbelangt: Diese Drucker sind ja z.T recht gross. Was kosten die?

Bouduban: Beim Metalldruck ist man nicht mehr im Desktop-Bereich tätig, sondern man ist bereits in industriellen Grössen unterwegs. 3-D-Drucker für Zahntechnische Lösungen haben etwa die Grösse eines Kleiderschranks. Man findet Preise von CHF 200’000.– bis CHF 1’500’000.–.

Gredig: Sie haben den Modellguss angesprochen. Was machen Sie denn hauptsächlich für die dentale Branche?

Bouduban: Nebst den herkömmlichen Fertigungen – wie etwa die Kronen- und Brückentechnik – fertigen unsere Geräte auch eine Vielzahl an Lösungen für die Kieferorthopädie an – z.B. forcierte Dehnungen, Schienen, Lückenhalter, etc. Unsere Lösungen können aber auch Retainers und Abutments für die Implantologie drucken. Wir haben ein Portfolio von 20 bis 25 verschiedene Anfertigungen.

Gredig: Nicht jeder hat Platz für solche Apparaturen. Wie gelangen Aufträge zu Ihnen?

Bouduban: Unsere primäre Aufgabe ist es, die Industrie zu unterstützen. Dafür brauchen wir einen digitalen Scan. Dieser wird beim Zahnarzt erzeugt durch einen Oralscan oder einen 3D-Scan eines Gipsmodells. Anschliessend führt der Dentaltechniker die Konstruktion durch. Der Techniker macht also das Design und wir drucken es dann.

Gredig: Drucken Sie denn auch ein Modell oder wie überprüfen Sie, ob die Konstruktion sitzt?

Bouduban: Ja, wir drucken auch Modelle – die sind aber eher eine sekundäre Qualitätsprüfung für uns. Wir überprüfen unsere Fabrikationen mit digitalen Methoden. Dafür überlappen wir das digitale Design mit dem erzeugten 3D-Produkt. Dadurch erkennen wir Schwachstellen am Produkt.

Gredig: Wie muss ich mir das Produkt vorstellen? Kobalt-Chrom gedruckt glänzt ja noch nicht? Wer poliert das Produkt auf Hochglanz?

Bouduban: Entweder wir oder der Techniker. Im Prothetik- und Modellgussbereich ist die Tendenz, dass wir gestrahlte 3D-Halbfabrikate an den Techniker weitergeben. In der Kieferorthopädie besteht der Anspruch, fix fertig polierte Lösungen zu erhalten.

Gredig: Gibt es auch Schattenseiten beim Metalldruck?

Bouduban: Ich denke, man muss 3D-Druck so verstehen, dass es eine Option ist. Man hat verschiedene Möglichkeiten, das Produkt anzufertigen. So zum Beispiel das Fräsen, das traditionelle Giessen und dann gibt’s eben auch noch den 3D-Druck. Wenn man in diese Technologie einsteigt, muss man sich bewusst sein, dass das eine ganz neue Welt ist, in der sehr viel schiefgehen kann. Es ist ein ständiger Lernprozess auf allen Seiten nötig. Wir passen noch heute unsere Apparaturen an neue Bedürfnisse an – dabei hilft uns auch künstliche Intelligenz.

Gredig: Bietet Ihr auch Kurse an für Techniker, die digitalisieren wollen?

Bouduban: Ja, wir machen Workshops und begleiten so unsere Kunden auf dem Weg zur Digitalisierung. Dabei setzen wir auf «Touch and Feel», um das Vertrauen in die Technologie zu vermitteln. Im Moment stehen Kurse für Techniker bei uns noch nicht im Vordergrund, wir möchten das aber baldmöglichst intensivieren.

Gredig: Wohin geht’s? Was werden wir noch alles drucken können?

Bouduban: Wir denken, dass sich diese Methode in den nächsten 10 Jahren noch viel mehr ausdehnen wird. Einerseits bedingt durch die «Baby-Boomer», Spezialisten, die in Rente gehen, und andererseits durch den Fachkräftemangel, der auch in der Dentalbranche stetig zunehmen wird.

Die Sendung auf Spotify hören:

https:swissdentalnews.com

Nicolas Bouduban, CEO Swiss m4m und Marion Gredig in der Sendung 3D-Druck in der Zahnmedizin
Nicolas Bouduban, CEO Swiss m4m und Marion Gredig

Kontakt:

3D-Druck in der Zahnmedizin

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