Zahnmedizin-Ausbildung: Kommt Prävention wirklich zu kurz? Nein!

Prävention Zahnmedizin Ausbildung

In der SonntagsZeitung vom 18.10.2025 sorgte ein Statement von Christine Breitschmid, CEO von Curaden, führender Schweizer Hersteller von Zahnbürsten und Dentalprodukten, für Aufmerksamkeit:

«Zahnärzte sind grossartig im Reparieren, aber Prävention kommt in ihrer Ausbildung zu kurz.»

Christine Breitschmid, CEO Curaden

Stimmt diese zugespitzte Aussage der Curaden-Geschäftsführerin in der SonntagsZeitung (Bezahlartikel. Das Interview ist am Ende dieses Beitrages auch im PDF zu lesen), dass den Schweizer Zahnärzt*innen in der Ausbildung eher das Bohren als die Prävention gelehrt wird? Oder wird hier ein verbreitetes Vorurteil aufgegriffen? Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Mutlu Özcan, PhD, Zahnärztliche Direktorin, Universität Zürich weist die Kritik auf Anfrage klar zurück:

«Die Verantwortlichen des Zentrums für Zahnmedizin der Universität Zürich teilen die persönliche Auffassung von Frau Christine Breitschmid nicht und weisen diese zurück. Weltweit ist die Prävention ein wesentlicher Bestandteil des Lehrplans in der zahnmedizinischen Ausbildung.»


Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Mutlu Özcan, PhD, Zahnärztliche Direktorin, Universität Zürich

Wir ordnen ein. Fakt ist: Prävention ist ein zentraler und systematisch integrierter Bestandteil der zahnmedizinischen Ausbildung in der Schweiz. Dies bestätigt auch die Zahnärzte-Gesellschaft SSO auf Anfrage:

Interview mit Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO


SDN: Teilen Sie die Einschätzung, dass Prävention in der zahnmedizinischen Ausbildung zu kurz kommt?


SSO Kommunikationsleiter Markus Gubler: Ganz und gar nicht, im Gegenteil: Prävention gehört zum Kernauftrag der Zahnmedizin und ist ein zentraler Bestandteil unseres Schweizer Modells. Die Prophylaxe hat in der zahnmedizinischen Ausbildung in der Schweiz einen hohen Stellenwert – mit sichtbarem Erfolg: Die Zahngesundheit der Schweizer Bevölkerung zählt zu den besten weltweit. 

SDN: Prävention ist ja eine Art „Beratung ohne Ertrag“. Wie kann sich ein präventiv orientiertes Praxismodell trotzdem wirtschaftlich lohnen?

SSO: Präventive Leistungen sind für Praxen keine unbezahlten Extras. Prophylaxe hat im Zahnarzttarif ein eigenes Kapitel.
Leistungen wie Mundhygieneanamnese oder Fluoridlack sind beschrieben und lassen sich abrechen. Diese Leistungen können an qualifiziertes Fachpersonal – etwa Prophylaxe-Assistentinnen oder Dentalhygienikerinnen – delegiert werden. Ein präventiv orientiertes Praxismodell fördert das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient und schafft stabile Beziehungen. Das zahlt sich langfristig aus.

Prävention in den Universitäten: Fakten aus dem Curriculum

Die universitäre Ausbildung an Zahnmedizinischen Universitäten Zürich, Basel, Bern und Genf belegt die Priorität der Prävention:

Fächerübergreifende Verankerung: Prävention ist verbindlich und fächerübergreifend in den Studienplänen etabliert.

Frühe Einführung: Bereits ab dem dritten Studienjahr werden die Grundlagen der Präventivzahnmedizin und oralen Mikrobiologie gelehrt.

Klinische Praxis: In der Masterphase absolvieren Studierende umfangreiche Praktika, in denen sie Präventionsmassnahmen direkt am Patienten durchführen.

Dazu gehören die Risikoanalyse, die Durchführung von Karies- und Parodontitisprävention, Scaling und die Erstellung individueller Prophylaxeprogramme.

Fazit zu Prävention als Ausbildungsthema im Zahnmedizin-Studium:

Das wiederholte Gerücht einer Ausbildungslücke lässt sich in der Schweiz nicht halten. Im Gegenteil: Die Fakten zeigen ein starkes Präventionsbewusstsein und eine systematische Integration der Prophylaxe – vom Grundlagenstudium bis zur klinischen Praxis.

Beitrag Sonntagszeitung

Detaillierte Modulplänen, Semesterübersichten, Studienstrukturen und Informationen zu präventiven Inhalten

Links zu Curriculum der Schweizer Zahnmedizinischen Universitäten:

Universität Zürich ZZM, Struktur, Aufbau und Module:
https://www.zzm.uzh.ch/de/studenten/zahnmedizinstudium.html

Detailliertes Curriculum und Jahrgangsaufteilung:
https://www.zzm.uzh.ch/de/studenten/zahnmedizinstudium/curriculum.html

Universität Basel Universitäres Zentrum für Zahnmedizin, Masterstudienplan und Wegleitung als PDF:
https://www.unibas.ch/dam/jcr:f569d38c-bed7-40d5-84b0-4c180016050e/ZAHNMEDIZIN.pdf

Informationen zur Studienstruktur und klinischer Ausbildung:
https://www.uzb.ch/fuer-student-innen/informationen-zum-zahnmedizinstudium

Universität Bern zmk unibe: Übersicht Bachelor/Master Zahnmedizin:
https://www.medizin.unibe.ch/studium/studienprogramme/bachelor_zahnmedizin/index_ger.html

Universität Genf CUMD:
https://www.unige.ch/medecine/dentaire/enseignement/formation-de-base

Weitere Beiträge zum Thema Prophylaxe:

Mundgesundheit älterer Menschen in der Schweiz: Zwischen hohen Kosten und Vereinsamung

Zahnfee: Schweizer DH bringt Fachwissen in die Karibik

🦷