80 Prozent der Medtech-Firmen befürworten die Bilateralen III.
Die Schweizer Medtech-Industrie, eine tragende Säule der heimischen Wirtschaft mit über 70’000 Beschäftigten (darunter zahlreiche Dentalfirmen), steht zunehmend unter Druck. Dies wurde heute an der jährlichen National Regulatory Conference von Swiss Medtech in Bern deutlich. Während die Branche die Verhandlungsergebnisse mit der Europäischen Union (EU) geschlossen befürwortet, bereitet die unberechenbare Handelspolitik der USA massives Kopfzerbrechen.
Die Branche sendet ein unmissverständliches Signal nach Bern: Eine neue Umfrage des gfs-Instituts zeigt, dass acht von zehn Medtech-Unternehmen das neue Paket Schweiz–EU klar befürworten und heute Ja zum bilateralen Weg sagen würden. Diese überwältigende Zustimmung gründet sich auf eine schmerzhafte Realität: Seit dem Abbruch der Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU im Mai 2021 kämpft die Branche mit dem erschwerten Marktzugang zu ihrem wichtigsten Absatzgebiet.
Rückgewinnung des Marktzugangs ist existenziell
Rund die Hälfte aller Medtech-Exporte geht in die EU. Der Verlust des reibungslosen Marktzugangs hat die Unternehmen direkt getroffen. Damian Müller, Präsident von Swiss Medtech, betonte in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen im Inland zu stärken und den freien Handel aktiv zu fördern: «Eine Branche, die Leben rettet, über 70’000 Menschen beschäftigt und wesentlich zum Wohlstand der Schweiz beiträgt, verdient volle Unterstützung von Politik und Behörden.»
USA: Zölle und Unsicherheit erzwingen Verlagerungen
Nach der EU sind die USA der zweitwichtigste Absatzmarkt der Schweizer Medtech-Unternehmen, in den fast ein Viertel der Exporte fliesst. Hier lastet jedoch ein immenser und steigender Druck auf der Exportwirtschaft. Seit dem 7. August 2025 erhebt Washington einen Zollsatz von drastischen 39 Prozent auf weite Teile des Schweizer Medtech-Portfolios.
Angesichts dieser Handelsbarriere, zusätzlich zum starken Franken und dem erschwerten EU-Marktzugang, bewerten acht von zehn Unternehmen die aktuelle Wirtschaftslage als eher bis sehr negativ. Die Konsequenzen sind bereits sichtbar: Ein Drittel der Firmen konzentriert sich auf neue Absatzmärkte, während 20 Prozent eine Verlagerung von Produktionsanteilen in die USA prüfen – eine direkte Reaktion auf die unattraktiven Zollbedingungen.
Für zusätzliche Verunsicherung sorgt eine Ende September eingeleitete US-Untersuchung nach Section 232, die prüft, ob die Abhängigkeit von Medtech-Importen ein Risiko für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellt. «Diese Untersuchung schafft zusätzliche Unsicherheit», erklärt Adrian Hunn. «Handelsbarrieren auf Medizinprodukte schaden der Industrie – und letztlich den Patientinnen und Patienten.»
Die Botschaft aus Bern ist ein Appell an die Schweizer Innenpolitik, Überregulierung abzubauen, die Bilateralen III aktiv zu unterstützen und den Freihandel mit weiteren Weltmärkten konsequent zu stärken.
Kontakt: Schweizer Medizintechnikverband Swiss-medtech.ch
