Mundgesundheit älterer Menschen in der Schweiz: Zwischen hohen Kosten und Vereinsamung

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Schlechte Mundgesundheit ist bei älteren Menschen weit mehr als ein zahnmedizinisches Problem: Internationale Studien belegen den Zusammenhang zwischen Zahnverlust, Parodontitis und einem erhöhten Risiko für funktionelle Einschränkungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Demenz. Die eingeschränkte Kaufunktion beeinflusst massiv die Ernährung und die soziale Teilhabe.

Mundgesundheit ältere Menschen Schweiz

Wie ist die Situation in der Schweiz? Wo liegen die grössten Hürden in der zahnmedizinischen Versorgung älterer Menschen, insbesondere in Pflegeheimen und bei hochbetagten Personen? Wir haben Peter Burri Follath, Leiter Kommunikation von Pro Senectute Schweiz, dazu 5 Fragen gestellt. Er beleuchtet die Herausforderungen von ungleicher Versorgung, Mobilitätsproblemen und der finanziellen Belastung durch nicht gedeckte Behandlungskosten. Erfahren Sie, wie Mundgesundheit über die soziale Isolation entscheidet und welche konkreten Massnahmen von interdisziplinärer Zusammenarbeit bis hin zur finanziellen Entlastung notwendig sind, um die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig zu verbessern.

Swissdentalnews SDN: Herr Burri Follath, wie schätzt Pro Senectute die aktuelle Versorgungslage der Mundgesundheit bei älteren Menschen in der Schweiz ein? Können Sie auch etwas zur Situation in Pflege- und Altersheimen sagen?

Pro Senectute: Die zahnmedizinische Versorgung älterer Menschen in der Schweiz ist insgesamt gut, aber ungleich verteilt. Während mobile Seniorinnen und Senioren oft regelmässig Zahnarztpraxen aufsuchen können, ist die Situation bei hochaltrigen Menschen oder Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen schwieriger.
In Heimen ist die Mundpflege zwar Teil der Grundpflege, sie wird aber nicht selten durch Zeitdruck, vernachlässigt. Mobile zahnmedizinische Dienste existieren, sind aber nicht flächendeckend verfügbar.

Zahnarztkosten Senioren Schweiz

SDN: Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Umsetzung regelmässiger zahnmedizinischer Kontrollen und Mundhygiene bei Betagten, die zu Hause oder in Einrichtungen leben?

Pro Senectute: Die grössten Hürden sind:
Mobilität: Viele Betagte können Zahnarztpraxen nur schwer erreichen.
Finanzielle Belastung: Zahnmedizinische Behandlungen sind oft teuer und nicht oder nur teilweise durch Krankenkassen gedeckt. Für Personen mit knappen Budgets ist das ein Hindernis. Hier kann Pro Senectute über Individuelle Finanzhilfe in gut begründeten Einzelfällen Unterstützung leisten.
Scham und Tabuisierung: Viele ältere Menschen sprechen Probleme wie Zahnverlust oder Prothesenbeschwerden zu wenig aktiv an

Vereinsamung/Isolation

SDN: Inwieweit erlebt Pro Senectute, dass Zahnverlust und schlechte Mundgesundheit soziale Isolation und damit verbundene gesundheitliche Risiken bei älteren Menschen begünstigen?

Pro Senectute: Schlechte Mundgesundheit beeinflusst nicht nur die Ernährung, sondern auch das Selbstwertgefühl. Wer Probleme beim Sprechen oder Kauen hat oder sich für fehlende Zähne schämt, meidet soziale Kontakte und Aktivitäten. Dies erhöht das Risiko von Vereinsamung, Depression und wiederum körperlichen Erkrankungen. Die Folgen sind also nicht nur medizinisch, sondern auch sozial gravierend.

SDN: Eine frühzeitige und umfassende Prävention ist nicht nur für die individuelle Lebensqualität entscheidend, sondern reduziert langfristig auch die Kosten im Gesundheitssystem, die durch Folgeerkrankungen entstehen. Gibt es aus Ihrer Sicht ausreichend präventive Angebote und Informationskampagnen, die ältere Menschen für die Bedeutung der Mundgesundheit sensibilisieren?

Pro Senectute: Es gibt gute Ansätze – z. B. Programme von Zahnärztegesellschaften, Informationsmaterialien oder Aktionen im Rahmen von Gesundheitsförderung. Allerdings könnte man hier sicher noch etwas mehr machen.
Besonders bei finanziell benachteiligten oder pflegebedürftigen Menschen erreicht die Prävention nicht immer die Zielgruppen.

SDN: Wie könnte die Zusammenarbeit zwischen zahnmedizinischen Fachkräften, Pflegepersonal und sozialen Organisationen wie Pro Senectute weiter verbessert werden, um die Mundgesundheit älterer Menschen nachhaltig zu fördern?

Pro Senectute: Interdisziplinäre Netzwerke: Zahnärztinnen und Zahnärzte sollten enger mit Pflegeeinrichtungen und sozialen Organisationen zusammenarbeiten.
Schulungen: Pflegepersonal kann durch praxisnahe Trainings in Mundhygiene unterstützt werden.
Mobile Angebote: Mobile Zahnarztteams oder aufsuchende Dienste sollten weiter gefördert werden.
Finanzielle Entlastung: Bessere Kostenübernahme durch Sozialversicherungen würde verhindern, dass ältere Menschen notwendige Behandlungen aufschieben.
Grundsätzlich: Insgesamt sieht Pro Senectute Mundgesundheit als wichtigen Baustein von Lebensqualität und sozialer Teilhabe im Alter. Die Herausforderungen sind bekannt – entscheidend ist, Prävention und die Finanzierung gezielt zu stärken.

Pro Senectute betont, dass niemand wegen finanzieller Engpässe auf notwendige zahnmedizinische Versorgung verzichten sollte. Ältere Menschen und ihre Angehörigen können sich bei Fragen zur Finanzierung oder zur Suche nach Unterstützung an die lokalen Beratungs- und Hilfsstellen von Pro Senectute wenden, um Möglichkeiten der Individuellen Finanzhilfe zu prüfen.

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