Hebelwirkung und Längsfrakturrisiko bei tief gesetzten Implantaten

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Implantologie – für die Klinik essentielles Wissen, Gastbeitrag von Dr. med. dent. Kony Meyenberg

Hebelwirkung und Längsfrakturrisiko bei tief gesetzten Implantaten

Anitua E, Flores J, de Retana SF, Alkhraisat MH.

Single-Unit Short Implants in the Molar Region: A Retrospective Study with a Minimum 3-Year Follow-up.

Int J Periodontics Restorative Dent. 2022 Sep-Oct;42(5):683-689

Erfahrungen mit konischen Verbindungen bei Einzelzahnimplantaten zeigen immer deutlicher, dass das Risiko von Längsfrakturen nicht zu vernachlässigen ist, wenn eine Verweildauer von mehr als 5-7 Jahren beobachtet wird.

Einerseits tritt dies gehäuft auf bei reduzierten Durchmessern von 3.5mm oder weniger im Frontbereich, anderseits auch bei sehr tief gesetzten Implantaten im Seitenzahnbereich selbst bei Implantatdurchmessern von 4 – 4.8 mm.

Neben der Problematik der Deformation der Konusanteile unter Last über die Zeit spielt auch die Hebelwirkung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Implantate mit konischen Verbindungen vom Typ „Bone Level“ werden gegenüber sogenannten „Soft Tissue Level“-Implantaten häufig sehr tief gesetzt, sodass dann mechanisch ungünstige Hebelverhältnisse resultieren, welche zusätzlich noch die Keilwirkung einer konischen Verbindung verstärken.

Anitua & al zeigen in ihrer Studie, dass die durchschnittliche technische Kronenlänge, gemessen von der Implantatschulter eines „Bone-Level“- Implantates zur Okklusionsfläche, bei Molaren 13 +- 3 mm beträgt.

Verglichen mit weniger tief gesetzten Soft-Tissue-Level resultieren dann für die Verbindung massiv höhere Hebelkräfte und Biegemomente.

Bild 1 zeigt deutlich folgendes: selbst bei sehr moderat angesetzten seitlichen Belastungswerten von 120N und konservativ eingesetzten Verbindungslängen resultieren dann vergleichsweise doppelt so hohe massive Kräfte in der konischen Verbindung, wenn die technische Kronenlänge nun zum Beispiel 16 statt 8 mm beträgt.

hebelwirkung unterschiedliche Implantate, Soft- und Tissuelevel von Straumann und Thommen Medical

Bild 2 zeigt zudem, dass bei vorwiegend okklusaler Belastung bei ausschliesslich flachen Verbindungen von Soft-Tissue-Level-Implantaten keine Sprengwirkung durch induzierte laterale Kräfte auftritt, weder im Implantat noch in der Kronenbasis.

Langzeitstudien mit grossen Fallzahlen bestätigen die Vorteile der Berücksichtigung dieser Aspekte: deutlich weniger technische Probleme mit fatalen Konsequenzen (Yu H, Qiu L. Analysis of fractured dental implant body from five different implant systems: a long-term retrospective study. Int J Oral Maxillofac Surg. 2022 Oct;51(10):1355-1361).

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