Durchmesserreduzierte Implantate im Molarenbereich. Funktioniert das?

durchmesser-reduzierte Implantate
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Implantologie – für die Klinik essentielles Wissen



Zumstein K, Waller T, Hämmerle CHF, Jung RE, Benic G, Mühlemann S.
Clinical performance of monolithic zirconia crowns on titanium-zirconium
reduced-diameter implants in the molar area: Interim data at three years of a
randomized controlled trial. Clin Oral Implants Res. 2023 Sep 5. doi: 10.1111/clr.14179

Durchmesserreduzierte Implantate im Molarenbereich

Erfahrungen mit durchmesserreduzierten Implantaten (3.5 mm oder kleiner) bei Einzelzahn-implantaten im Molarenbereich sind limitiert, und dies aus gutem Grund: Resultate bei uneingeschränkten Indikationen mit Reintitan-Implantaten zeigten bisher klar, dass das Risiko von technischen und biologischen Misserfolgen im Vergleich zu regulären Durchmessern (ab 4mm) deutlich höher ist. Die vorliegende Studie über eine klinisch als kurz zu wertende Beobachtungszeit von 3 Jahren ist deshalb sehr interessant, weil sie die 3 folgenden Paradigmen in Frage stellt:

Paradigma 1
Design ist nicht wichtig

Das geometrische Design des Implantates an sich ist nicht so wichtig, umso wichtiger ist das Material (Reintitan versus Titan-Zirkon).

Paradigma 2
Keine Überlastung

Überbelastung als Implantatverlust-Grund gibt es nicht.

Paradigma 3
Einzeln möglich

Einzelne Molaren können mit durchmesserreduzierten
Einzelzahnimplantaten ersetzt werden.

Ausgangslage

Bild 1
zeigt die Ausgangslage und die zusammengefasste Misserfolgsrate:

76 Implantate wurden gesetzt,
nach 3 Jahren konnten 59 Implantate nachuntersucht werden. Fast jeder vierte Fall endete mit einem gravierenden Problem

Klinisch desaströs

Bild 2
zeigt die als klinisch desaströs zu wertenden Resultate:

19% Implantatverlust durch Implantat-Fraktur
5% Implantatverlust durch Überbelastung (aseptische Lockerung, keine Periimplantitis)

Versagensmuster

Bild 3
zeigt die 2 typischen Versagensmuster dieses Implantat-Typs in
dieser Anwendung:

Aseptische Lockerung und Fraktur

Ursache

Bild 4
beleuchtet die Ursache der Frakturen:

Ungenügende Wandstärke des Implantatkörpers im Bereich des Schraubenkanals, demzufolge ungenügende Ermüdungsfestigkeit. Dies wird offensichtlich auch durch alternative modifizierte prothetische Aufbauten nicht behoben.

Schlussfolgerung 1
Design ist wichtig

Das geometrische Design des Implantates an sich ist wesentlich wichtiger als das Material (Titan-Zirkon ermöglicht hier keinen Vorteil im Vergleich zu Reintitan). Ein für schmale Implantat-Durchmesser angepasstes
und optimiertes Design ist essentiell.

Schlussfolgerung 2
Überlastung als Implantatverlustgrund existiert

Überbelastung als Implantatverlustgrund existiert in der Form von aseptischer Lockerung. Die Gesamtoberfläche des Implantates muss in Rechnung gestellt werden und kann optimiert werden durch adäquate Länge und smarte Gewinde.

Schlussfolgerung 3
Einzeln nicht möglich

Einzelne Molaren können nicht durch ein einzelnes Implantat der
vorliegenden Konfiguration ersetzt werden.
Die Autoren der Studie weisen am Schluss darauf hin, dass die Hersteller ihre
Verpflichtung wahrnehmen sollten, vor der Freigabe der Indikation eines Implantattyps entsprechende klinisch relevante Simulationsversuche durchzuführen. Damit können auch ethisch dann letztendlich fragwürdige Studien vermieden werden.
Selbstverständlich obliegt es aber auch dem Anwender selber, marktübliche Designs immer kritisch zu hinterfragen, um den Patienten vermeidbare Misserfolge zu ersparen.

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