Weltklasse-Expertise traf auf Schweizer Herbstsonne: Rund 300 Teilnehmende aus aller Welt versammelten sich vom 13. – 15. November 2025 im Kursaal Bern zum 5. International Symposium der Buser & Sculean Academy.
Bei strahlend schönem Herbstwetter bot der Kursaal Bern mit seiner spektakulären Aussicht auf die Berner Altstadt, Kirche Peter und Paul, das Münster sowie den dahinterliegenden Alpen die perfekte Kulisse. Die Kongresstage widmeten sich der chirurgischen Regeneration und Ästhetik in Parodontologie und Implantologie. Seit der ersten Ausgabe 2013 hat sich das Symposium als wichtige Plattform etabliert, die beide Fachgebiete verbindet.
Hart- und Weichgewebsregeneration
Der erste Kongresstag stand unter dem Motto „Hard and Soft Tissue Regeneration at Teeth: Why, When and How?“. Professor Nikos Donos von der Queen Mary University of London brachte einen zentralen Punkt zur Sprache: «When it comes to flap design, there’s no single ‚one-size-fits-all‘ approach; every case must be individually assessed based on its unique biology and anatomical presentation.» Diese nüchterne Feststellung unterstrich die Komplexität parodontalchirurgischer Eingriffe und die Notwendigkeit, jeden Fall individuell zu beurteilen.

Auch eindrücklich waren die Ausführungen von Professor Peter Windisch von der Semmelweis University Budapest, der die Behandlung stark kompromittierter Stellen thematisierte. Seine Kernbotschaft betonte die Bedeutung der Patientenedukation: «Our job is to teach the patient how to clean the teeth.» Dieser Aspekt gerät in der hochtechnisierten Implantologie manchmal in den Hintergrund.
Das besondere Ambiente des Kursaals mit seinem lichtdurchfluteten Foyer bot ideale Bedingungen für den fachlichen Austausch. Zahlreiche Aussteller präsentierten dort während der Kaffeepausen ihre neuesten Produkte und Technologien. Die Verbindung von hochmodernem Medtech, Aussicht und Austausch schuf eine inspirierende, internationale Umgebung für das wissenschaftliche Programm.

Professor Leonardo Trombelli aus Ferrara widmete sich der parodontalen regenerativen Chirurgie in ästhetischen Bereichen, während Professor Giulio Rasperini aus Mailand neuartige regenerative Ansätze zur Verbesserung von Funktion und Ästhetik vorstellte. Die Behandlung von Rezessionen im ästhetischen Bereich beleuchtete Professorin Martina Stefanini aus Bologna. Mit einem Augenzwinkern verriet Stefanini, dass die berühmten Torbögen ihrer Heimatstadt sie an den Verlauf der Gingiva erinnern würden – «vielleicht bin ich deshalb in der Parodontologie gelandet», so die italienische Expertin, die damit den ästhetischen Blick für harmonische Linien unterstrich, der in ihrem Fachgebiet so entscheidend ist.

Von der Sofortimplantation bis zur Augmentation
Der Nachmittag des ersten Tages fokussierte auf „Hard and Soft Tissue Augmentation at Dental Implants“. Professorin France Lambert aus Lüttich präsentierte Selektionskriterien und aktuelle klinische Protokolle für die Sofortimplantation. Auf die Frage, warum die Sofortimplantation – die vor Jahren bereits im Trend lag, dann aber wieder an Popularität verlor – heute erneut mit Überzeugung empfohlen werden kann, betonte Lambert: «Heute haben wir die Evidenz dazu, dass es funktioniert, wenn das Protokoll eingehalten wird.»

Lambert hob zudem den besonderen Wert des Symposiums hervor: Das „Get-together“ und der persönliche Austausch seien unverzichtbar. «Man lernt so viel voneinander», unterstrich die belgische Professorin.
Dr. Leandro Nunes aus Brasilien widmete sich der frühen Implantation mit gleichzeitiger GBR. Neue Schnitttechniken und Lappenmanagement in der ästhetischen Zone stellte Professor Marius Steigmann aus Deutschland vor, während Dr. Sascha Jovanovic aus den USA aktuelle Techniken zur Kombination von Hart- und Weichgewebsaugmentation bei grossen vertikalen Defekten im anterioren Oberkiefer demonstrierte. Professor Istvan Urban aus Budapest rundete das Programm mit einem Update zur vertikalen Kieferkammaugmentation im posterioren Unterkiefer ab.
Periimplantitis im Fokus
Der zweite Kongresstag widmete sich einem der drängendsten Probleme der modernen Implantologie: der Periimplantitis. Professor Stephen Chen aus Melbourne brachte es auf den Punkt: «Peri-implantitis – a man-made complication.» Professorin Mia Rakic von der Universität Bern präsentierte aktuelle Daten zur Prävalenz und Risikofaktoren, während Professor Andrea Roccuzzo aus Shanghai die Bedeutung der parodontalen Anamnese und fehlender Nachsorge beleuchtete.

Professor Frank Schwarz aus Frankfurt stellte eine Klassifikation von Gewebedefekten vor und deren Einfluss auf Behandlungsoptionen. Klinische Langzeitergebnisse nicht-chirurgischer und chirurgischer Periimplantitistherapie präsentierte Professor Andreas Stavropoulos aus Malmö. Ein besonderer Fokus lag auf der Galvosurge-Technologie, die von Professor Markus Schlee und Dr. Alberto Monje vorgestellt wurde.
Die Rolle der Prävention
Ein durchgängiges Thema war die Prävention. Wie Professor Anton Sculean, Direktor der Klinik für Parodontologie an der Universität Bern, im Interview betonte: Die Dentalhygiene spielt eine entscheidende Rolle. «Dank ihrer erstklassigen Ausbildung in der Schweiz arbeiten sie auf sehr hohem Niveau und tragen massgeblich zu nachhaltiger Zahngesundheit bei», so Sculean. Die meisten parodontalen Fälle könnten durch verbesserte Mundhygiene und personalisierte Behandlungspläne nicht-chirurgisch behandelt werden.
Wir konnten mit Professor Sculean vor Ort einen Podcast aufnehmen. Dieser ist hier zu hören .

Dr. Shakeel Shahdad aus London präsentierte chirurgische Schlüsselfaktoren zur Periimplantitis-Prävention, Dr. Manrique Fonseca von der Universität Bern die prothetischen Aspekte, und Professor Christoph Ramseier, ebenfalls Bern, stellte personalisierte Nachsorgekonzepte vor.
Festlicher Ausklang
Das Symposium endete mit einem Gala-Dinner zur Feier des 60. Geburtstags von Professor Anton Sculean. Die Veranstaltung bot den internationalen Teilnehmenden Gelegenheit zum Networking und persönlichen Austausch, ein Aspekt, der die Buser & Sculean Academy seit ihrer Gründung auszeichnet. Die Wertschätzung für den Austragungsort brachte Professorin France Lambert stellvertretend für viele internationale Gäste zum Ausdruck: «Ich liebe die Schweiz und es ist eine Ehre für mich, hier zu sein.» Ein Sentiment, das die besondere Atmosphäre des Symposiums und die Gastfreundschaft der Organisatoren perfekt zusammenfasste.
Implantologie, Infektionen und Innovationen mit Prof. em. Dr. Daniel Buser
