Wirtschaftlichkeit in der Zahnmedizin: Zwischen Kundenorientierung und Unternehmertum
Wie führt man eine Zahnarztpraxis erfolgreich durch den Wandel der Zeit? Im Swissdentalnews Podcast spricht Dr. Andreas Grimm über innovative Arbeitszeitmodelle, die Herausforderungen der Materialbeschaffung und warum echtes Unternehmertum in der Zahnmedizin weit über das Handwerk hinausgeht.
«Es geht nicht darum, den Gewinn um jeden Preis zu maximieren»
Den Blick auf den Zürichsee geniesst er aus seiner eigenen Zahnarztpraxis nur noch selten, aber es kommt immer wieder mal vor: «Am 5. August dieses Jahres waren es genau 15 Jahre, seit wir hierhergezogen sind – und ich bin sehr gerne hier», sagt Andy Grimm in der Praxis Grimm Zahnärzte in Horgen. «Wenn es irgendwie geht, bin ich fast jeden Tag im Büro. Gerade in den vergangenen Wochen war es dank der Klimaanlage natürlich wunderbar, hier zu arbeiten. Ich bin zudem noch immer als Zahnarzt tätig, wenn auch nicht mehr so viel wie früher. Aber ich mache es nach wie vor sehr gerne. Am 1. August hatte ich Notfalldienst bis abends um zehn Uhr. Das ist vielleicht nicht unbedingt etwas, das man sich immer wünscht. Aber ich hatte grosse Freude daran – es war toll, dass ich diesen Dienst mal wieder machen durfte.» Andy Grimm hat sich eine erfolgreiche Praxis aufgebaut. Der Weg dorthin war kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis bewusster Marktorientierung.
Anpassung an die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten
Als Andy Grimm vor fast 30 Jahren in die Praxis seines Vaters einstieg, stiess er zunächst auf Gegenwind. «Nein, es war kein einfacher Weg – aber ein sehr schöner. Ich erinnere mich gut an das Jahr 1999, als ich in die Praxis meines Vaters einsteigen durfte. Damals arbeiteten dort acht Personen. Als Junior begann ich damit, eine Spätschicht einzuführen: Ich arbeitete jeweils bis halb acht Uhr abends. Das sorgte zunächst für viel Gegenwind. Zu dieser Zeit war eine Zahnarztpraxis klassisch organisiert: ein Zahnarzt, ein Assistenzzahnarzt – und am Freitagnachmittag wurde nicht gearbeitet. Mein Vater sagte damals: ‹Am Freitagnachmittag kommt doch niemand zum Zahnarzt. Und nach sechs Uhr abends schon gar nicht – das ist doch völlig absurd.› Anfangs war das tatsächlich etwas schwierig.»
Die Realität gab ihm jedoch recht: «Wer sich an den Bedürfnissen der Kunden ausrichtet, schafft Mehrwert. Seit der Pandemie arbeitet die Praxis sogar in einem Zweischichtsystem von 7:00 bis 21:00 Uhr. Dies bietet nicht nur den Patientinnen und Patienten grosse Flexibilität, sondern ermöglicht auch den Angestellten attraktive Freizeitmodelle – ein klarer Vorteil bei der Fachkräftegewinnung.»
Innovationen und Investitionen mit Bedacht
In modernste Technologie zu investieren, ist für eine zukunftssichere Praxis essenziell. Dennoch warnt Andy Grimm vor blindem Aktionismus. «Als junger Zahnarzt muss man zwar mutig sein, wenn eine Neuerung einen messbaren Nutzen für die Praxis bringt, jedoch gilt es auch, Risiken abzuwägen. Manchmal gehörten wir zu den sogenannten Early Adopters und haben auf Systeme gesetzt, die es heute gar nicht mehr gibt», räumt er ein. Bei kostspieligen Grossgeräten oder Softwarelösungen rät er deshalb: «Marktentwicklungen genau beobachten, anstatt sofort in jeden Trend zu investieren.»
Mehr Transparenz beim Einkauf: Die Geburt von Smart Dentist
Ein zentraler Wendepunkt bezüglich der Wirtschaftlichkeit war für Andy Grimm die Erfahrung mit Dentaldepots: «Hier stellten wir grosse Preisunterschiede bei identischen Produkten sowie undurchsichtige Margen bei Ersatzteilen fest. Das veranlasste mich, gemeinsam mit Berufskolleginnen und -kollegen selbst aktiv zu werden. So entstand Smart Dentist – ein von Zahnärzten geführtes Netzwerk und Einkaufsmodell. Das Ziel ist nicht die Maximierung von Zwischenhändlermargen, sondern der Schutz der Interessen der Praxisinhaber. Da die Organisation den beteiligten Zahnärztinnen und Zahnärzten selbst gehört, entfällt der Druck, kurzfristige Quartalsrenditen erzielen zu müssen. Stattdessen steht die langfristige Planungssicherheit im Vordergrund.» Smart Dentist versteht sich als «Dentaldepot für Zahnärzt:innen, die mehr wollen als nur bestellen». Das Unternehmen gibt es seit 2015. Das Angebot reicht vom Dentalbedarf über Gerätewartung und Reparaturen bis hin zu Praxisplanung und weiteren Dienstleistungen. Mit Programmen wie SmartPRO und Smart Points unterstützt Smart Dentist Praxen zusätzlich im Alltag und hilft ihnen, wirtschaftlich und organisatorisch erfolgreich zu arbeiten. Auch die Aktionäre kommen aus der Zahnmedizin – ganz nach dem Credo «von Zahnärzten für Zahnärzte».
Kaufmännisches Wissen als Erfolgsfaktor
Ein wiederkehrendes Problem in der Branche sieht Andy Grimm in der fehlenden betriebswirtschaftlichen Ausbildung während des Studiums. «Viele Zahnärzte übernehmen nach dem Staatsexamen direkt die Rolle als Arbeitgeber und Unternehmer, ohne über fundierte betriebswirtschaftliche Grundlagen zu verfügen.»
Sein Ratschlag für den nachhaltigen Erfolg lautet daher:
- Eigene Grenzen kennen: Verstehen, wo die eigenen Stärken liegen und wo Fachpersonen, etwa Treuhänder, eingebunden werden müssen.
- Verlässliche Netzwerke aufbauen: Auf Partner vertrauen können, die transparente Konditionen bieten.
- Weiterbildung nutzen: Neben der fachlichen Qualifikation auch unternehmerische Skills gezielt ausbauen.
Andy Grimms Fazit: «Wirtschaftlichkeit in der modernen Zahnarztpraxis bedeutet nicht, den Gewinn um jeden Preis zu maximieren, sondern Qualität, faire Konditionen und eine hervorragende Patientenerfahrung miteinander zu verbinden.»

Kontakt: Smart Dentist AG
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