KI und Robotik: Faszination oder Furcht?
Donnerstagabend, Fernfachhochschule Zürich, voller Saal. Auf dem Programm, ein wichtiges Thema, dem Niemand mehr aus dem Weg gehen kann: Die Künstliche Intelligenz. Denn diese ist omnipräsent und überall. Welche KI-Innovationen beeinflussen die Zahnmedizin? Die Fortbildung sorgte nicht nur für aufschlussreiche Ein- und Ausblicke, sondern auch für angeregte Diskussionen mit dem Publikum über Ethik, Arbeitsplatzverluste und Veränderungen des Berufsbildes.
Wird der Beruf des Zahnarztes überflüssig? Braucht es überhaupt noch Zahntechniker oder produziert bald der Roboter die Krone für ein paar Franken? Die Referenten Prof. Joachim Steinwender, Leiter Geohealth Fernfachhochschule Zürich, Prof. Tim Joda von der Zahnmedizinischen Universitätsklinik Zürich ZZM und Dr. med. dent. Marc Balmer, ebenfalls ZZM, boten hochinteressante Vorträge zu diesen Fragen. KI-Entwicklungen wurden nicht nur präsentiert sondern differenziert erklärt. Chancen und Herausforderungen der KI, angewandt in der Zahnmedizin konkret aufgezeigt. Dabei ging es um die Zukunft der personalisierten Implantologie, wie die KI die Diagnose vereinfachen kann und welche Rolle der Roboter bei der Zahnbehandlung haben wird. Ausserdem wurde aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass KI-Systeme reguliert werden.

Kann die KI alles?
Prof. Dr. Joachim Steinwendner, hat zwar ein Labor an der Fernfachhochschule, aber das hat weder mit Zahntechnik noch mit Zahnmedizin zu tun. Steinwender leitet den Forschungsbereich GeoHealth Analytics. Der branchenfremde Vortrag begeisterte das Publikum, indem er die Entwicklung der KI aufzeigte. Demonstrierte, was sie heute schon kann und wie unglaublich extrem lernfähig sie ist.
Wohin uns das führen könnte? „Also Angst, dass die KI meine Rolle als Lehrer übernehmen könnte, habe ich natürlich schon,“ gab Steinwender zu. Aber die Maschine braucht den Menschen, der sie füttert und lenkt.
Der Österreicher, der seit zehn Jahren in Zürich lebt, entführte die Teilnehmenden in die Welt der künstlichen Intelligenz, zeigte auf wie sie in verschiedenen Branchen zum Einsatz kommt.
Und er gab auch praktische KI-Demos. Steinwender demonstrierte, wie mit wenigen Landmarks in kürzester Zeit ein Video erstellt werden kann, in dem er perfekt eine Fremdsprache spricht, die er in Wirklichkeit gar nicht beherrscht.
Sein Vortrag umfasste die Möglichkeiten von Deep Fakes, Einblicke in die Rolle von Tech-Giganten und die Auswirkungen der immensen Datenflut auf den Energie- und Wasserverbrauch.

KI macht es persönlicher!
Prof. Dr. med. dent. Tim Joda vom Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich stellte seine Vision der 4P-Zahnmedizin vor, die Systemmedizin, Big Data und patientenorientierte Gesundheitsversorgung integriert. Er betonte die Bedeutung einer personalisierten, partizipativen, präventiven und prädiktiven Versorgung in der Zahnmedizin.
Joda diskutierte die potenziellen Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Implantologie und hob den Einsatz von KI, virtueller Assistenz und digitalen Workflows hervor.
Jodas Arbeit umfasst Themen wie die personalisierte Implantatbehandlung, Speichelbiomarker für die Präzisionszahnmedizin und die prädiktive Modellierung von Implantatverlusten.
Zusammenfassend erklärte er, was paradox klingen mag, aber letztlich logisch ist: Die AI macht die Implantologie persönlicher.

Saugen und Schleifen
„Unser Beruf besteht hauptsächlich aus zwei Tätigkeiten. Saugen und Schleifen. Das kann der Roboter besser als ich“, eröffnete Zahnarzt Dr. med. dent. Marc Balmer, ebenfalls vom Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich, seinen Vortrag.
Er führte die Teilnehmenden in die beeindruckenden Fortschritte der KI und Robotik in der Zahnmedizin ein. Von der Bilderkennung und Bildsegmentierung bis hin zur Robotic Dentistry zeigte er auf, wie KI die diagnostische Genauigkeit und Effizienz verbessert und die Präzision zahnärztlicher Eingriffe erhöht.
Balmer zeigte auch die Vorteile der robotergestützten Implantologie im Vergleich zu Bohrschablonen, bei denen der Zahnarzt keine Änderungen mehr vornehmen kann, sondern das Implantat so setzen muss, wie es die Schablone vorgibt. Mit dem Roboter können auch während der Operation noch Korrekturen vorgenommen werden.
Marc Balmer zeigte abschiessend das Video eines Kollegen in Asien, der die gesamte Implantat-Operation von einem Roboter durchführen liess und einfach daneben sass und zuschaute. „Diese Entwicklung gibt uns mehr Zeit für andere Dinge“, schlussfolgerte Balmer.
Viele Emotionen beim Thema Roboter
Bei den Vorträgen kristallisierte sich heraus, die Arbeitsabläufe werden speditiver. Man hat mehr Zeit für anderes. Mehr Zeit ist aber nicht unbedingt das, was sich alle wünschen. Dies zeigte die anschliessenden Fragerunde.
In einer lebhaften Diskussion wurde über ethische Fragen, die Auswirkungen von KI auf Arbeitsplätze und die Veränderungen im Berufsfeld der Zahnmedizin gesprochen. Und ob wegen der KI der Beruf des Zahnmediziners der Zahnmedizinerin grundsätzlich verschwindet?
Dem Thema KI und Robotik wurde mit gemischten Gefühlen entgegen gesehen. Einig war man sich, dass die Integration von KI in die Zahnmedizin sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Und ja, Berufe werden zwar nicht verschwinden, aber sie werden sich verändern.
Grundlegend kann man aber sagen, dass die KI und Robotik den Behandler, die Behandlerin präziser und effizienter macht. Und dies kommt den Patienten zu gute.

Diskussion und Ausblick
Die Veranstaltung begeisterte und gab einen umfassenden und realistischen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten der KI in der Zahnmedizin. Es war eine konstruktive Fortbildung mit einem regen interdisziplinären Austausch zwischen ZahntechnikerInnen und ZahnmedizinerInnen. Die Teilnehmenden zeigten sich inspiriert und neugierig auf das was noch kommt. „Schade, dass ich nicht mehr erleben werde, wohin uns die KI und Robotik führen wird“, meinte Zahntechniker Reto Studer, Labor Baumgartner und Studer beim Apéro abschliessend.
Nur ein kleiner Prozentsatz des Potenzials der KI-Technologie ist heute erforscht und genutzt. Ja, in der Tat, da kommt noch viel auf uns zu.

KI und Robotik in der Zahnmedizin, Selfie zum Schluss. Die Referenten Prof. Tim Joda, Dr. med. dent. Marc Balmer und Prof. Joachim Steinwender mit Moderatorin des Events, Fachjournalistin Marion Gredig.
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