Die Intertrading Dental AG in Kaltbrunn, ein seit rund 40 Jahren etablierter Schweizer Fachhändler für Dentalprodukte und Praxisbedarf, beendet ihre Geschäftstätigkeit.
Geschäftsführer Thierry Weissen begründet den Entscheid auf Anfrage mit dem wachsenden Druck im Markt: «Der Druck hat sicherlich in den letzten Jahren zugenommen, sowohl der wirtschaftliche wie auch der regulatorische.»
Weissen sagt weiter: «So wie wir heute aufgestellt sind, sind wir nicht mehr in der Lage, den hohen Anforderungen an Service, Beratung, Lieferfähigkeit etc. zu bieten.» Die Schliessung sei dennoch kein leichter Schritt. «Die Schliessung einer Firma ist nie leicht, doch sind wir überzeugt, dass es der richtige Entscheid ist.»
Das Unternehmen wurde vor rund vier Jahrzehnten gegründet und baute sein Geschäft laufend aus. Zwischenzeitlich war Intertrading Dental auch im europäischen Ausland aktiv. Nach der Einführung der EU konzentrierte sich die Firma wieder auf den Schweizer Markt.
Alles muss weg
Zum Schlussverkauf sagt Weissen: «Der Schlussverkauf ist zweiteilig. Zuerst können Kundinnen und Kunden bei den Hauptlieferanten eine letzte Bestellung bei unseren Lieferanten zu interessanten Konditionen noch einmal tätigen. Ab dem 16. April 2026 folgt der Abverkauf des gesamten Sortiments. Dazu gehören Produkte von Abrasive Technology, DVA, Edenta, Erkodent, GC, Jota, Myerson, Renfert, Scheu Dental, Schütz Dental und Vannini.» Was übrig bleibt wird gespendet. «Sollte am Schluss (31.5.2026) noch etwas übrig bleiben, wird der Rest an Hilfswerke verschenkt», erläutert Weissen.
Zukunft der Mitarbeitenden gesichert
Ein zentraler Punkt bei der Abwicklung des Unternehmens war die Zukunft der Angestellten. Hier konnte bereits vor der Schliessung Klarheit geschaffen werden. «Wir sind dankbar, dass alle unsere Mitarbeiter eine Anschlusslösung gefunden haben.»
Strukturwandel im Dentalbusiness
Die Schliessung der Intertrading Dental AG ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für einen tiefgreifenden Strukturwandel im Schweizer Dentalmarkt. Kleinere und mittlere Handelsunternehmen geraten zunehmend zwischen die Fronten: Einerseits zwingt die hochkomplexe Medical Device Regulation (MDR) KMU in einen administrativen Aufwand, der kaum noch zu bewältigen ist. Andererseits dominieren Grossisten den Markt durch massive Einkaufsmacht und Logistik-Vorteile. Während spezialisierte Akteure durch die Anbindung an grössere Konzerne oder eine klare Nischenstrategie überleben können, schwindet der Spielraum für klassische Vollsortimenter ohne internationale Konzernstruktur. Der Fall Kaltbrunn zeigt deutlich: In einem Marktumfeld, das immer stärker von Digitalisierung und regulatorischem Druck geprägt ist, stossen traditionelle Geschäftsmodelle an ihre wirtschaftlichen Grenzen.





