Fluoridgehalt in Schweizer Kinderzahnpasta verunsichert

Fluoridgehalt Kinderzahnpasta

Bereits ab dem ersten Milchzahn sollten Kinderzähne geputzt werden. Dafür gibt es auf dem Markt eine Vielzahl an Produkte. Allerdings sind nicht alle Kinderzahnpasta gleich gut geeignet. Einige sind sogar bei nicht altersgerechter Anwendung problematisch. Und trotzdem werden sie in Schweizer Läden verkauft. Dies stellt Dipl. Dentalhygienikerin HF Fabienne Käser im Interview fest.

Frau Käser, bei den Kinderzahnpastas ist Ihnen etwas aufgefallen. Erzählen Sie von Ihrer Beobachtung.

Ja genau. In meiner Funktion als Fachverantwortliche für Präventivzahnmedizin im Prophylaxe-Kurs Zürich beschäftigt mich aktuell die Fluoriddosierung in Kinderzahnpasten. Und hier stelle ich Unterschiede fest, die besorgniserregend sind. In Deutschland sind für Kinderzahnpasten 1000 ppm Fluorid empfohlen. In der Schweiz hingegen liegt die empfohlene Dosierung für kleine Kinder bei 500 ppm. Dennoch sind hierzulande Produkte mit doppelt so hoher Dosierung mit 1000 ppm Fluorid erhältlich, die für Kinder deklariert sind.

Was ist Ihre Erklärung dafür? Haben Sie eine Vermutung?

Ich vermute, dass die Zahnpasten aus Deutschland importiert worden sind, aber die ppm Werte nicht an die Schweizer Empfehlungen der SSO angepasst wurden. Die Herausforderung entsteht durch die unterschiedlichen Empfehlungen: Einige Hersteller bieten Kinderzahnpasten mit 1000 ppm Fluorid an. Gleichzeitig wird je nach Alter eine reiskorngrosse oder erbsengrosse Menge empfohlen, um das Risiko für Zahnfluorose zu minimieren. Praktisch macht es etwas eigentlich Einfaches – nämlich Zähneputzen im Familienalltag – unnötig kompliziert.

Beispiele

Auf der Zahnpasta links Dosierung:1000 ppmF. Rechts, ein Schweizer Produkt, mit der zulässigen Dosierung von 500 ppmF.

Links Nevadent, das aus Deutschland importierte Produkt, rechts das Produkt aus der Schweiz, richtig dosiert.

Weshalb ist wichtig, dass der Fluorid Wert nicht überschritten wird, was sind mögliche Folgen?

Bei regelmässiger Anwendung und zusätzlicher Fluoridexposition kann eine zu hohe Dosierung das Risiko für Zahnfluorose erhöhen. Diese Veränderungen sind irreversibel.

Was ist Zahnfluorose genau? 

Zahnfluorose ist eine Störung der Zahnschmelzbildung, die entsteht, wenn Kinder während der Zahnentwicklung über längere Zeit zu viel Fluorid aufnehmen. Zahnfluorose ist ungünstig, weil eine übermässige Fluoridaufnahme während der Zahnentwicklung zu einer gestörten Schmelzbildung führt, was sich in weissen bis bräunlichen Verfärbungen und strukturellen Veränderungen zeigt und die ästhetische sowie – in schweren Fällen – auch die funktionelle Qualität des Zahnschmelzes beeinträchtigen kann.

Aber grundsätzlich braucht die Zahnpasta schon Fluorid, richtig?

Grundsätzlich ja – fluoridhaltige Zahnpasta ist zentral für eine wirksame Kariesprävention. Fluorid unterstützt die Remineralisation des Zahnschmelzes, hemmt die Demineralisation und wirkt zusätzlich antimikrobiell im Biofilm. Die Evidenzlage ist hier sehr klar: Regelmässiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta senkt das Kariesrisiko signifikant. Entscheidend ist jedoch nicht nur ob Fluorid enthalten ist, sondern in welcher Konzentration und in welcher Menge es angewendet wird – insbesondere bei Kindern. Kurz gesagt: Ja, Zahnpasta sollte Fluorid enthalten, aber altersgerecht dosiert und korrekt angewendet.

Wie können Eltern erkennen, ob die Kinderzahnpasta nun hoch mit Fluorid dosiert wurde und die Zahnpastamenge beim täglichen Gebrauch angepasst werden müsste?

Das ist eben die Krux.Für Eltern ist dieser Unterschied kaum nachvollziehbar. Sie orientieren sich an der Altersangabe auf der Verpackung – nicht an ppm-Angaben oder Kleingedrucktes.

Was raten Sie beim Kauf von Kinderzahnpastas? Gib es z.B Marken die unbedenklich sind?

Wenn Eltern Zahnpasta kaufen, empfehle ich: auf den Fluoridgehalt achten (ppm-Angabe).Viele Produkte geben diese klar auf der Verpackung an. Produkt wählen, das für das passende Alter deklariert ist. Altersempfehlungen sind grobe Richtwerte, aber sie helfen bei der Orientierung. Kleingedrucktes Lesen (produktespezifische Empfehlungen). Ich nenne hier keine spezifischen Marken, weil die Produktpalette sich häufig ändert, nicht jede Marke in jedem Land dasselbe Produkt mit identischem Fluoridgehalt verkauft. Zudem ist es wichtiger die korrekte Fluoridkonzentration und Anwendung zu prüfen statt sich auf Marken zu verlassen. Beim Kauf können Eltern also ganz einfach auf die ppm-Angabe und den Empfehlungen im Kleingedruckten achten – das ist aussagekräftiger als der Markennamen selbst. Die empfohlene Dosierung in der Schweiz für kleine Kinder liegt bei 500 ppm. Darauf muss man schauen.

Zur Person:

Fabienne Käser ist Dipl. Dentalhygienikerin HF und hält in Schweizer Kitas und an Prophylaxe-Veranstaltungen Vorträge über Prävention in Bezug auf Kinderzähne und Mundgesundheit.

Kontakt: Fabienne Käser

DH Fabienne Käser zu Fluorid in Kinderzahnpasta

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