Wie Bulimie die Zähne zerstört

bulimie

Jedes Jahr werden in der Schweiz über tausend junge Menschen wegen Magersucht, Bulimie oder Essanfällen ins Spital eingeliefert. Stationäre Spitaleintritte junger Frauen unter 18 haben in den letzten Jahren massiv zugenommen, gerade auch wegen dem Druck auf Social Media einem Ideal zu entsprechen. Das Bundesamt für Statistik zählt 539 Fälle 2018, 1008 im Jahr 2023. Das Universitätsspital Zürich meldet 64 Fälle 2022, 77 im Jahr 2024.

Essstörungen schaden der Gesundheit schwerwiegend. Bulimie zerfrisst dabei den Zahnschmelz

Was ist Bulimie?

Bulimia nervosa oder Bulimie (auch Ess-Brechsucht und Bulimarexie genannt) ist eine Form der Essstörung, die sich durch wiederholte Episoden von subjektiv unkontrollierbarem und übermässigem Essen (Binge-Eating) sowie durch Verhaltensweisen zur Vermeidung von Gewichtszunahme und eine übertriebene Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts auszeichnet. (Wikipedia)

Typische Zahnschäden bei Bulimie

Häufiges Erbrechen kann die Zähne massiv schädigen. Das Erbrechen lässt Magensäure auf die Zähne einwirken und zerstört den Zahnschmelz.

Magensäure löst den Schmelz auf

Magensäure enthält 0,5 bis 1 Prozent Salzsäure (HCl), ihr pH-Wert liegt bei 1,0 bis 1,5. Belegzellen der Magenschleimhaut pumpen H+-Ionen via Protonenpumpe (H+/K+-ATPase) und Chlorid-Ionen in den Magen. Dort bildet sich HCl aus diesen Komponenten.

Zahnschmelz (96 Prozent Hydroxyapatit, Ca10(PO4)6(OH)2) löst sich bei pH unter 5,5 auf. Magensäure senkt den Mund-pH sofort auf 1,5 bis 2,0, weit darunter. Bei Bulimie-Erbrechen kontaktiert die Säure direkt die Zähne; Rückseiten der oberen Frontzähne (11–13, 21–23) erodieren zuerst

Wie Bulimie die Zähne zerstört

Zahnärztinnen und Zahnärzte erkennen Erosionen an den Rückseiten der oberen Frontzähne. Der Schmelz dünnt aus, Kanten brechen ab, Überempfindlichkeiten entstehen. Häufig treten Schleimhautverletzungen und Zahnfleischentzündungen hinzu, verstärkt durch Putzen direkt nach dem Erbrechen.

Betroffene entwickeln gelbliche Zahnstümpfe, erhöhte Kariesanfälligkeit und geschwächte Speicheldrüsen. Zahnärzte sind oft die Ersten, die eine Bulimie vermuten.

Bulimie: Zahnschäden erkennen und abfangen

Merkmale die auf eine Bulimie hinweisen:
– Erosionen an Rückseiten der oberen Frontzähne
– Gelbliche Dentin-Exposition, abgerundete Kanten, verkürzte Schneidekanten.
– Überempfindlichkeit auf Säure, Kälte, Süsses
– Parodontalbefunde trotz guter Hygiene, erhöhtes Kariesrisiko.
– Rötungen oder Verletzungen der Gaumenspeicheldrüsen und Schleimhäute

Früherkennung und Weiterleitung

Ob Zahnärztin, Zahnarzt oder Angehörige: Bemerkt man abgetragenen Schmelz oder Erosionen greift man ein und öffnet Gespräche.

Fragen Sie neutral und wertefrei: „Erbrechen Sie öfter nach dem Essen?“ oder „Haben Sie Säuregefühl im Mund?“

Sofortmassnahmen sind Füllungen. Nach ein bis zwei Brechpause-Jahren können die Zahnschäden, die durch die Bulimie entstanden sind, durch Komposit-Overlays oder Keramikveneers restauriert werden.

Kontakt: Schweizerische Gesellschaft für Essstörungen Schweizer Gesellschaft für Essstörungen SGES