Christine Breitschmid leitet Curaden, das Schweizer Familienunternehmen hinter den bekannten farbigen Zahnbürsteli. Gegründet wurde die Firma von ihrem Grossvater, geprägt hat sie vor allem ihr Vater Ueli Breitschmid. Ein Unternehmer mit grossen Visionen, klaren Ansagen und Ecken und Kanten.
Frau Breitschmid, Sie sind CEO von Curaden. Und haben diese Rolle von ihrem Vater, Ueli Breitschmid der letztes Jahr gestorben ist, übernommen. Wie geht es Ihnen in dieser Funktion?
Gut. Wir haben schon früher mit dem Rollenwechsel begonnen – mein Vater und ich haben zunächst eine Doppelspitze gebildet. Das war für die Übergangsphase eine gute Idee, auch wenn die Rollenverteilung manchmal etwas kontrovers war. Er war relativ lange noch im Büro aktiv. Nach seinem Tod war es eigentlich ein natürliches Weitergehen in der Geschichte des Unternehmens. Natürlich ist es trotzdem anders, wenn man plötzlich die letzte verantwortliche Person ist. Bisher finde ich das eine coole Challenge – und es gefällt mir.
Die Zusammenarbeit mit Ihrem Vater Ueli – einer starken, kontroversen Persönlichkeit – war sicher nicht immer einfach?
Nein, nicht immer. Wer Ueli kennt, weiss, dass er sehr direkt, sehr präsent, sehr kontrovers war. Aber es war enorm lehrreich und wertvoll, mit ihm zu arbeiten. Ihm war es wichtig, das Netzwerk und seine Vision weiterzugeben. In den letzten Jahren haben wir viel darüber gesprochen – Sachen, die wir intern begreiflich machen und für die Mitarbeitenden herunterbrechen mussten. Generationenunterschiede gibt es immer, und wenn das Unternehmen emotional besetzt ist, wird man schnell anstrengend in der Diskussion. Aber man profitiert von Auseinandersetzungen, weil es das Verständnis schärft.
Gibt es Momente im Geschäftsalltag, wo sie ihren Vater vermissen?
Manchmal wäre es schön, ihm zu zeigen, wo wir heute stehen. Alles, was er mit den Produkten, der Philosophie und den Mitarbeitenden aufgebaut hat – das können wir jetzt mitnehmen und weiterentwickeln. Das dominiert. Natürlich vermisst man den Vater, der nicht mehr lebt. Aber im Beruf hat er uns so viel mitgegeben, dass ich es als etwas Positives erlebe, das weiterzutreiben.
Was ist Ihre eigene Mission als CEO – worauf wollen Sie Ihr Kapitel schreiben?
Ich bin ehrlich gesagt noch in der Findungsphase. Aber das, was mich antreibt, ist nicht die nächste, noch bessere Interdentalbürste zu erfinden. Mein Ding ist eher, das Thema Mundgesundheit breiter zu kommunizieren: Zusammenhänge aufzeigen, den Impact auf die Gesamtgesundheit sichtbar machen – nicht nur für Fachkreise, sondern für die breite Bevölkerung.
«Hauptsächlich Frauen kaufen unsere Produkte»
Die ikonischen Farben ihrer Zahnbürsten sind weltbekannt. Wer steckt dahinter?
Das war vor allem Max Wettach, der Ueli länger als 30 Jahre begleitete. Er war ein aussergewöhnlicher Grafiker mit einem unglaublichen Gespür für Farben – nicht für aktuelle Farben, sondern für zukünftige. Er war eng mit der Modeindustrie vernetzt, sehr affin für Trends und Design. Er war weit mehr als ein Grafiker.

Das letzte Jahr war ein intensives für Sie, so kam es einem zumindest als Beobachterin vor. Da war der Nuggi-Skandal. Ihre Firma musste die eigenen Nuggis zurückrufen. Wie kam es dazu?
Einen «Skandal» würde ich es nicht nennen. Ein Rückruf ist nicht, was man sich wünscht – aber er gehört dazu, wenn man als Unternehmen Verantwortung übernimmt. Es gab einen Stoff am Kunststoff des Nuggi, der in dieser Menge mit einer neuen EU-Norm ab 1. Juli 2026 nicht mehr konform gewesen wäre. Es war kein Wirkstoff mit gesundheitlicher Wirkung – aber für uns war klar: Wenn es das Thema Gesundheit betrifft, machen wir keine Kompromisse.
Der Rückruf kam, nachdem die slowenische Konsumentenschutzorganisation ZPS erhöhte BPA-Werte festgestellt hatte. Sie haben also nicht erst auf Mediendruck die Öffentlichkeit informiert?
Nein, Wir sind proaktiv in den Rückruf gegangen.
Was hat dieser Rückruf Ihnen als Unternehmen gelehrt?
Es war anspruchsvoll, aber es hat uns auch geholfen, mit unseren Kunden auf einer anderen Ebene in Kontakt zu treten und unsere Werte zu bestätigen. Der neue Nuggi ist nun auf dem Weg – kieferorthopädisch wirksam und konform mit allen aktuellen und künftigen Normen.
Curaden ist in rund 94 Ländern aktiv. Wie managen Sie diese globale Komplexität – gerade mit den US-Zöllen? Haben Sie schlaflose Nächte?
Nein, ich habe keine schlaflosen Nächte. Aber die Situation ist schon schwierig. Wenn es einfach wäre, würde es jeder machen. Wir haben klar definiert, wofür wir stehen: Prävention, Education, Mundgesundheit – und dabei bleiben wir. Die USA sind für uns noch kein grosser Markt. Wir haben den Preis dort erhöht, das Volumen ist etwas zurückgegangen. Durch unsere breite Diversifikation über viele Märkte können wir Schwankungen in einzelnen Ländern besser abfedern.
Was sind die aktivsten Märkte?
Wir sind zum Teil in Ländern sehr stark, die andere Marken gar nicht interessieren. Wie in Argentinien.
«Ich selbst habe viele Löchli in den Zähnen.»
Wo sehen Sie die Unternehmung Curaden in zehn Jahren?
Das ist sehr weit weg – 2036. Ich weiss noch nicht genau, wo wir dann stehen. Aber ich weiss, was ich will: Wenn in zehn Jahren mehr Menschen verstehen, warum Zahnzwischenraumreinigung wichtig ist – nicht als lästige Pflicht, sondern als echter Beitrag zur eigenen Gesundheit und Lebensqualität – dann haben wir etwas bewegt. Longevity ist ein grosses Thema. Auch wer ewig gesund leben will, muss wissen: Zwischen den Zähnen muss man reinigen. Wenn wir dazu beitragen, das zu vermitteln, dann bin ich zufrieden.
In dem Fall hatten Sie nie ein Löchli oder eine Füllung?
Doch! (lacht) Einige! Meine Zahnärztin hatte keine Freude an mir. Aber sicher Freude am Geschäft mit mir.
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