40 Jahre SGI Jubiläumskongress

5
(5)

Jubiläumskongress der SGI-SSIO Schweizerische Gesellschaft für Implantologie im Kongresshaus Zürich. SGI-Präsident PD Dr. med. dent. Sven Mühlemann begrüsst die über 200 Teilnehmende und definiert das Ziel des Kongresses: „Wir möchten mit einer zeitlichen und emotionalen Distanz den Einsatz von Implantaten in den letzten 40 Jahren bewerten.“

Swissdentalnews.com war beim SGI Kongress am Vormittag mit dabei:

Eröffnung des Kongresses

SGI Präsident Sven Mühlemann begrüsst die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Kollege Christian Mörgeli, der vor Mühlemann langjähriger SGI Präsident war, meint: „Heute sprechen wir über Implantate. Als ich damit begann hiess es noch ‘Implantate – das ist Scharlatanerie – lass das sein!“

Professor Daniel Buser am SGI Eröffnungsvortrag

Implantate: wie alles begann

Professor Daniel Buser nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise. Führt in die 50er Jahre, als Pioniere die ersten Implantate setzten, die grosse Defekte verursachten, zu den 60er Jahre (Branemark), zur Gründung der ITI mit Fritz Straumann und erzählt wie es ab 1985 zu den grossen Durchbrüchen kam. Sein Fazit: „Die Geschichte und Entwicklung der Implantologie in der Schweiz ist beeindruckend. Pioniere dieser Disziplin haben einen unschätzbaren Beitrag zur medizinischen Wissenschaft geleistet und verdienen unseren grössten Respekt. Zwei Schweizer Universitätszentren, Bern und Zürich, sind unter den Top 10 im QS World University Ranking.“ Zu diesem Erfolg trage auch die Industrie bei, findet Buser: „Die Schweiz beherbergt einige der weltweit führenden MedTech-Unternehmen wie Straumann, Geistlich, Thommen Medical und Bienair.“ Abschliessend differenziert der emeritierte Berner Professor: „Man muss immer offen für Entwicklungen sein, und es gibt nicht immer nur Schwarz oder Weiss. Es darf nicht um das Portemonnaie gehen, sondern immer um den Patienten“.

Wie geht es den alten Implantaten

Wie geht es den alten Implantaten? So lautet das Vortragsthema von Prof. Dr. med. dent. Giovanni E. Salvi, Stv. Klinikdirektor, Fachzahnarzt für Parodontologie der zmk Uni Bern: “Fangen wir mit der Antwort an: Den Implantaten geht es gut. Ich zeige hier nur Fälle, die 10 Jahre oder älter sind. 98,8 Prozent beträgt die Überlebensrate nach 10 Jahren.“
Salvi vergleicht die Implantlängen und zeigt: „Kürzere Implantate schneiden schlechter ab, da liegt die Überlebensrate bei 85 Prozent. Also auf lange Sicht macht die Länge doch einen Unterschied.“ Zusammengefasst stellt Salvi fest, dass es den alten Implantaten gut geht, ihn nimmt Wunder, wie es den alten Zähnen geht? Und den Patienten mit Implantaten? Dabei kristallisiere sich heraus: „Eine 20-jährige Studie zeigt ganz klar, Patientinnen und Patienten die regelmässig zur Kontrolle und zum Recall gehen, haben eine deutlich höhere Überlebenschance der Implantate.

Lebenslanges Kieferwachstum- wo bleiben die Implantate?

Professor Raphael Patcas von der Universität Zürich fragt: “Ist Osseointegration gleich Osseointegration? Gibt es Veränderungen am Implantat?” Er fährt fort: “Autonomes Knochenwachstum bedeutet lebenslanges Knochenwachstum, da frage ich mich: Wo bleibt das Implantat?“ Patcas zeigt auf wie sich mit zunehmendem Alter die Physiologie des Gesicht verändert und konstatiert: „Es ist klar, dass, wenn wir uns äusserlich verändern, dies auch in der Mundhöhle geschieht. Wir wissen dass Zähne wandern, kennen den Mesialdrift. Was sich eben auch verändert ist die
Okklusionsebene. Diese kann kippen.“ Patcas nennt Zahlen: „46% der Implantate verlieren den Kontaktpunkt. Jedes 5te Implantat weisst nach 5-6 Jahren eine Stufe auf. Wenn Sie behaupten das findet nicht statt, dann schauen sie nicht genau hin!»

Zum Schluss rät er: “Den Horizont offen halten. Zum Beispiel mit einer Klebebrücke. Lebenslanges Kieferwachstum hat nichts mit Wachstum zu tun, sondern mit Leben.“

Sebastian Kühl

Implantat Design Form und Material

Prof. Dr. Sebastian Kühl, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, vergleicht in seinem Vortrag Implantatmaterialien: „Keramik erlebt einen gewissen Boom und das zu Recht! Der Knochenabbau bei Periimplantitis sieht im Vergleich zur Periimplantitis bei Titanimplantaten eher harmlos aus. Auch die Entzündungen um Titanimplantate sind statistisch signifikant“. Als Nachteil der Keramikimplantate nennt Kühl: „Der Nachteil ist, dass Keramik gefräst werden muss und man nicht beliebig viele Möglichkeiten hat. Noch sind Keramikimplantate ein Nischenprodukt. Das liegt daran, dass wir noch nicht die Flexibilität haben wie bei Titan. Deshalb sind Keramikimplantate meist auf Einzelzahnlücken beschränkt. Aber vom Material her halte ich es für sehr vielversprechend. Kühl fasst zusammen: „Mit den neuen Implantaten können wir die Komfortzone verlassen, aber es wäre banal zu glauben, dass es weniger Komplikationen gibt.“

Periimplantitis- eine Krankheit mit Zukunft?

Dieser Frage geht Dr. Jan Derks von der Abteilung für Parodontologie der Universität Göteborg nach.
„Wir stellen fest, dass die Zahl der Patienten mit Implantaten rapide ansteigt. Das heißt, egal ob DH oder Zahnarzt, wir treffen in der Praxis immer häufiger auf Patienten, die ein Implantat tragen. Für mich ist klar, dass wir unsere KollegInnen ausbilden müssen, wie die Behandlung von Periimplantitis aussieht“. Denn, so Derks weiter: „Wenn ich in meiner Praxis Implantate anbiete, muss ich auch wissen, wie man Periimplantitis behandelt. Das muss nicht dieselbe Person sein, aber wir müssen es anbieten.»
Darüber hinaus stellt Derks fest:
„Unter dem Gesichtspunkt der Risikominimierung sollte das Implantat so spät wie möglich gesetzt werden“.

Präsident SGI Dr. med. dent. Sven Mühlemann

Bilanz

Präsident der SGI, PD Dr. med. dent. Sven Mühlemann zieht eine positive Bilanz und meint auf Anfrage: “Der SGI Jubiläumskongress deckte mit seinem Programm alle Aspekte der oralen Implantologie ab und war mit knapp über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein grosser Erfolg. Zudem konnte die SGI  51 neue Mitglieder aufnehmen. Damit zeigt sich, dass wir mit unseren weiteren Fort- und Weiterbildungs-veranstaltungen wie SGI curriculum, SGI alumni, SGI spotlight und SGI focus nicht nur innovativ, sondern auch erfolgreich sind.“

Fotogalerie 40 Jahre SGI Kongress

“Wir haben uns 1983 im Bahnhofbuffet Olten getroffen, ein tolles Programm zusammengestellt und es der SSO übergeben”.

Professor Daniel Buser über die SGI

Weitere Beiträge: Zürich Symposium

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl Bewertungen: 5

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

Schon gesehen?

Kommentar

Vielen Dank für Ihren Kommentar!